buy ticket

buy ticket

Sprachanalysen (Teil 1/2): Der Weg von Analog(ie) zu KI

Gedanken als Grundlage

Schon vor über 2’500 Jahren stellte Konfuzius fest: «Wenn die Sprache nicht stimmt, dann ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist». Und Friedrich Schiller vor rund 200 Jahren: «Die Sprache ist der Spiegel einer Nation; wenn wir in diesen Spiegel schauen, so kommt uns ein grosses treffliches Bild von uns selbst daraus entgegen». Weiter wird in einem Artikel zur Diagnose von Psychosen bei Jugendlichen in der Fachzeitschrift Nervenarzt, Ausgabe 5/1999 auf Seite 440 beschrieben: «Da die Sprache als Spiegel des Denkens gilt, kommt der Analyse der Sprache in der Diagnostik von psychotischen Störungen zentrale Bedeutung zu». Auch eine sich abzeichnende Demenz wird aufgrund sprachlicher Defizite der Betroffenen durch geübte Diagnostiker frühzeitig erkannt.

Sprache spiegelt Menschen


In der zwischenmenschlichen Kommunikation transportiert Sprache mehr Informationen als wir wahrnehmen. Ursachen dafür sind mangelndes Wissen und fehlende Übung. Es gibt zum Glück begabte Menschen, die einen ausgeprägteren Sinn entwickelt haben, auf Anhieb Unsichtbares einfach zu antizipieren. Diese Fähigkeit ist messbar und das zu Grunde liegende Wissen mit der besonderen Begabung rekonstruierbar.
Das deutsche KI Unternehmen PRECIRE Technologies beschäftigt sich seit 2012 mit Möglichkeiten, Sprache mittels Künstlicher Intelligenz zu analysieren. Schon früh liess sich beispielsweise beantworten, wie Coaches die richtigen Worte ihren Leistungsträgern mitgeben, damit diese Höchstleistungen erbringen.

 

KI Sprachanalysen zur Potentialmessung und als Frühwarnsystem?


Bei Personalgewinnung und Personalentwicklung sind eignungsdiagnostische Abklärungen mit Hilfe von Sprachanalysen im Einsatz. Sie sind in der Lage, mit einer hohen Validität und mit wenig Möglichkeiten beeinflusst zu werden, «Skills» und «Traits» zu messen. Und so werden jeweils spätestens bei diesem Anwendungsfall die vehementen Kritiker von Sprachanalysen mittels Künstlicher Intelligenz hyperaktiv. Sie bezeichnen solche Verfahren als unethisch und daher unzulässig. Ihrer Ansicht nach sind solche Anwendungen gesetzlich zu verbieten. Dass heute noch vielfach männliche Kaderleute ihre Assistentinnen einzig aufgrund des Fotos und damit der äusseren Erscheinung der Bewerbenden anstellen, bleibt unerwähnt. Und dass eine frühzeitige Diagnose dank den durch KI ermittelten sprachlichen Auffälligkeiten bessere Chancen auf eine Heilung ermöglichen, wird ausgeblendet. Das Ergebnis ist ein äusserst paradoxer Zustand. Einerseits werden im Einsatz stehende und als solche deklarierte KI-Verfahren mit aller Kunst der Rhetorik verunglimpft. Andererseits bleibt von Menschen erzeugte verwerfliche Willkür ungeahndet.

 

Kritik und Skepsis: ein Spiegel der eigenen Befindlichkeit?


Um entgegen Skeptikern und Kritikern vom durch KI im Business erzeugten Mehrwert zu profitieren, ist auf einen sich tagtäglich weltweit millionenfach abspielenden Vorgang hingewiesen. Wenn Reisende am Flughafen zu ihren Gates gehen, unterziehen sie sich «freiwillig» einer Sicherheitskontrolle. Dies liegt im Interesse aller Reisenden. Auch online beantwortete eignungsdiagnostischen Fragen sind, wie eine Teilnahme an einem Assessment, freiwillig. Es steht jedem frei, KI-Auswertungen der eigenen Formulierungen zu verweigern. Um Ungemach zu vermeiden, wird Organisationen die KI einsetzten empfohlen, freundlich darauf hinzuweisen.
Die Geschichte beschreibt in jeder Gesellschaft Individuen, die Vorbehalte gegenüber Innovationen äussern. Chancen bergen Risiken. Unzweckmässig angewendet, verwehrt Watte einem Menschen die Luftzufuhr. Ein Veganer kann mit einem Gemüse Rüstmesser einen anderen Menschen verletzen. Es liegt in der Natur, dass gewisse Individuen die Begabung haben, Gutes zweckentfremdet zu verwenden.
Welche sonstigen Anwendungsfälle von Sprachanalysen mit künstlicher Intelligenz im Alltag das Tagesgeschäft unterstützen, folgt im zweiten Teil.

 

 

Auf der Firmenhomepage www.sprachanalysen.ch des Autors sind weitere allgemeine Informationen abrufbar. Für Interessierte stehen neben Abos auf die SaaS Lösung auch Workshops und Angebote zur Verfügung.

 

Autor: Stephan Siegfried ist Jurist und Gründer der 1-Prozent GmbH. Spezialgebiet ist die Analyse von Sprachmustern in Situationen des Arbeitsalltags und bei «kriminellen Elementen» im Besonderen indem Künstliche Intelligenz eingesetzt wird (www.sprachanalysen.ch). Er hat über 25 Jahre Projekt- und Führungserfahrung aus diversen Organisationen in öffentlichen Verwaltungen, der Privatwirtschaft und NGO. Seine Leidenschaft gilt der Philosophie, Psychologie, Soziologie, Neurobiologie und Informationstechnologie. Er ist Autor von Büchern und duzenden Fachartikeln.
28.10.2019

 

Ankündigung:
Sprachanalysen (Teil 2/2): Mehrwert durch KI im Alltag

Bildnachweise: Eigene und aus Quellen die zur Wiederverwendung gekennzeichnet sind.